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EMPFANGSHALLE
WOHER KOLLEGE
WOHIN KOLLEGE


(Fotos:
Markus Götzfried)
Neubau
des Amt für Abfallwirtschaft / Betriebshof Ost
Der neue
Betriebshof Ost des Abfallwirtschaftsamts zeichnet sich durch eine Baukunst
aus, der formal nichts hinzugefügt werden muss. Ein standortgebundenes
skulpturales Kunstwerk zu platzieren, wäre auch im Hinblick auf die
eher geringe Öffentlichkeit des Ortes fragwürdig. Ein Kunstwerk
muss kommunizieren. Es braucht Publikum. Das interne Publikum ist vorhanden:
Betriebsangehörige, Besucher... Damit wollen sich Empfangshalle jedoch
nicht begnügen. Wie immer in ihren Arbeiten geht es um einen Kontakt
zu Menschen, um eine Beschäftigung mit den Begriffen von Individuum
und Gruppe und der medialen Funktion von Kunst.
Jeden Tag verlässt ein Schwarm Müllfahrzeuge das Gebäude,
begibt sich auf verzweigte Routen durch die Stadt, um sich nach getaner
Arbeit wieder am Ausgangspunkt zu sammeln. Diese vorhandene dynamische
Struktur wird von Empfangshalle benutzt, um ein Kunstwerk entstehen zu
lassen, das Intern und Extern, Betrieb und Öffentlichkeit verknüpft.
Dabei soll es nicht aufdringlich verändern, sondern sich über
existierende Kanäle ein Publikum nehmen.
1.
Flottmachen
Empfangshalle baut ein Müllauto vom Abfallwirtschaftsamt reisetauglich
um, ohne das Äußere zu verändern. Um in das System einzusteigen,
wird ein Müllfahrzeug besorgt, das sich von außen nicht von
einem gewöhnlichen unterscheidet. Das Innenleben, Müllpresse
etc., wird jedoch ausgebaut und dem Gefährt damit ermöglicht,
auch weitere Strecken im Auftrag von Empfangshalle zurückzulegen.
Das präparierte Fahrzeug verrät seine neue Funktion durch ein
kleines Schild mit der Aufschrift "Kunstbetrieb", um Verwechslungen
mit "echten" Müllwagen bei näherem Hinsehen auszuschließen
und auf die besondere Mission zu verweisen.
2.
Wohin, Kollege?
"Wo kommt Ihr alle her? Wenn Du an daheim denkst, was fällt
Dir ein?" Empfangshalle sammelt die Antworten der Belegschaft und
legt die Reiseroute fest. Ein Charakteristikum der Belegschaft ist die
Heterogenität ihrer Herkunft. Viele Nationalitäten sind vertreten.
Die Mission, für die das Müllfahrzeug
von Empfangshalle präpariert wurde, zielt auf diese Heterogenität.
Der erste Teil der Kommunikation beginnt: Die Künstler lassen jeweils
ein Mitglied der Stammbesatzung von jedem im Betriebshof stationierten
Müllauto einen Ort nennen, mit dem es seinen persönlichen Heimatbegriff
verbindet und den es gerne in der Öffentlichkeit zeigen würde.
Eine Route wird von Empfangshalle festgelegt, auf der das Kunstbetriebs-Müllfahrzeug
die Ziele ansteuern soll.
3.
Auf geht´s!
Die Fahrt des Müllautos zu den verschiedenen Heimaten: der Müllmann
macht sein persönliches Heimatbild mit Müllauto. Auf der festgelegten
Route macht das Müllfahrzeug im Kunsteinsatz an den
jeweiligen, mit dem Heimatbegriff verbundenen Stationen halt für
einen Fototermin. Das orangefarbene Müllfahrzeug muss auf jedem Foto
dabei sein, egal ob das Ziel der Wünsche im Allgäu oder in Nordafrika
liegt. Den Motiven sind kaum Grenzen gesetzt, wie Stichproben zeigen.
Ob man das Müllfahrzeug
vor dem Geburtshaus des Fahrers, im südfranzösischen Sonnenblumenfeld
der Schwiegereltern oder beim jährlichen Harleytreffen ablichtet:
die Belegschaft ist wesentlicher Gestalter des Kunstwerks, einerseits
in der Wahl des Motivs sehr persönlich, andererseits durch das täuschend
echte
Müllfahrzeug im Bild mit den Kollegen verbunden.
4.Anmachen,
Kollege!
Die Fotos kommen zurück. Die Werbeflächen auf der Müllflotte
werden damit bestückt.
Empfangshalle sammelt die auf der Route entstandenen Motive. An den Müllfahrzeugen
in München befinden sich gewöhnlich große Plakate für
Eigenwerbung (Müllvermeidung, Recycling etc.). Dort wird jeweils
ein Foto dauerhaft angebracht, sodass jeder Wagen mit seinem eigenen Motiv
herumfährt. Die Motive sind so zugeordnet, dass es sich um das persönliche
Motiv eines jeweiligen Besatzungsmitglieds handelt. Jeder Kollege, der
mitgemacht hat, bekommt also sein Foto auf "seinen" Wagen.
5.
Woher, Kollege?
Die Flotte schwärmt täglich aus und zeigt die Heimatbilder von
nun an den Bürgern: Mobile Fotoausstellung. Wenn nun das morgendliche
Ausschwärmen der Müllfahrzeuge beginnt, dann
schwärmt gleichsam eine Fotoausstellung zu den Bürgern in die
Stadt. Mehr als das: durch die Verbindung zu einem der Besatzungsmitglieder
des Fahrzeugs fährt der Urheber, mögliche Interpret und Geschichtenerzähler
mit. Face to face treffen Kunst, Publikum und Urheber zusammen und realisieren,
mindestens in der optischen Wahrnehmung den zweiten Teil des Kommunikationsanspruchs.
Abends konzentriert sich alles wieder zur großen Ausstellung im
Betriebshof Ost, um am nächsten Morgen wieder
auszuschwärmen...
So entsteht
ein Kunstwerk, das den Aspekt der Kommunikation in doppelter Weise vorführt,
das von Identität, von Heimat, von Familie, immer aber auch durch
das Fahrzeug vom Beruf handelt, ob mit Stolz, Ironie oder Witz... Im Grund
entsteht eine Fotoausstellung, die jeden Morgen neu in die Öffentlichkeit
gebracht wird und die, wenn einmal der Zeitpunkt gekommen sein sollte,
die Flächen an den Fahrzeugen neu zu gestalten, an einem festen Ort
weiter präsentiert werden könnte. Die Aktion materialisiert
sich in dieser Exposition, behält aber ihre Dynamik und möbliert
nicht bloß sie beherbergende Architektur. Die entstandenen Fotografien
sind aufgeladen mit der Erinnerung an ihre Entstehung und später
an ihre Wege durch die Stadt.
EMPFANGSHALLE

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