Mutter/Genth:
Freiham Folly, 2019


Grünanlage an der Kunreuthstraße - Freiham
Architekt: West 8 Urban Design & Landscape Architecture
 

Einzelwerk
   

Stahl, Holz, gefärbter Beton, vorpatiniertes Kupferblech; Gesamthöhe: 21 m, untere Zwiebel: ø 2,48 m, Schaft: ø 88 cm




Mit ihrer stolzen Höhe wird die Turmgestalt in der weitläufigen Parkanlage in Freiham von nahezu jeder Stelle wahrgenommen. Mehr als zwanzig Meter ragt ihre ungewöhnliche Silhouette in die Höhe. Die farbige Oberfläche des Kunstwerks besteht aus vorpatinierten Kupferblechen, die ein kachelartiges Raster bilden, dessen Türkis- und Erdtöne sich im Lauf der Zeit verändern werden. Während der zierlich wirkende Turmschaft an einen Maibaum oder ein orientalisches Minarett denken lässt, erinnert die Spitze mit ihrem sinnlich gewölbten Balkon an die Zwiebelbekrönung eines bayerischen Kirchturms. Zudem steckt der Schaft in einer Kugelform aus grünlichem Beton, was dem hoch aufragenden Bauwerk eine fast tänzerische Beweglichkeit verleiht.

Die humorvolle Verschmelzung unterschiedlicher, identitätsstiftender Formen lässt sich programmatisch deuten und regt zahlreiche Assoziationsebenen an – ganz in der Tradition des englischen Landschaftsgartens, der sich als eine Art „Denkraum“ verstand, als einen Ort der freien Fantasie. Auf ihn verweist auch der Titel, den das Künstlerduo seinem Kunstwerk gab: Freiham Folly. Als „Folly”, zu deutsch: „Verrücktheit”, bezeichnete man im 18. Jahrhundert einen extravaganten Zierbau, der zur emotionalen Ausstrahlung und der heiteren, oft märchenhaften Atmosphäre eines Landschaftsparks beitrug. Der beliebte Monopteros im Englischen Garten in München ist eines der prominentesten Beispiele dafür. Durch seine selbst­bewusste Bildsprache verleiht der Freiham Folly dem jungen Stadtgebiet und seiner Umgebung
im Münchner Westen ein kraftvolles Signet und bildet eine zeitgemäße Analogie zur kulturellen Vielfalt seiner Anwohnerschaft.

Bernhart Schwenk

Fotos: Guido Erbring, Köln / Mutter/Genth