Claudia Barcheri:
Lianen, 2018


Haus für Kinder - Holtzendorffstraße 37
Architekt: Stieglmeier Architekten, München
 

Einzelwerk
   

Schlingpflanzen-Installation im Treppenhaus, Buntlack auf Acrylglas



Vom Münchner Stadtteil Fasangarten aus ist der Dschungel näher als man denkt: Im neuen Haus für Kinder an der Holztendorffstraße wachsen über hundert „Lianen“. So nennt Claudia Barcheri ihr Kunstwerk am Bau, das so aussieht, als ob tatsächlich Schlingpflanzen durch alle drei Geschosse des Treppenhauses ranken würden.
Die Installation der jungen Münchner Künstlerin basiert auf einem modularen System und besteht aus 102 mit Buntlack besprühten U-Profilen aus Acrylglas, die an den Holzlamellen, mit denen der Treppenschacht verkleidet ist, angebracht sind. Mittels Schablonen trug Barcheri die Umrisse von Fiederblättern bis zu vierfach übereinander auf, so dass ein dichtes grünes Geflecht entstand. Diese pflanzlich-organischen Strukturen bilden quasi die natürliche Ergänzung zum Material des hellen Holzes, das innen und außen das Gebäude prägt.
Die Verwendung von vier verschiedenen Farbtönen zwischen Hell- und Tannengrün verstärkt die plastische Wirkung der Blätter. Die Künstlerin greift damit auch das Grün der Fensterlaibungen am Außenbau auf, darum wirken Architektur und Kunst wie aus einem Guss.
Vegetabile Formen wie das Akanthusblatt und andere Blätterranken dienen seit der Antike als ornamentales Element in der Baukunst. Claudia Barcheri setzt sie im Bewusstsein dieser Tradition ein, findet dafür aber eine zeitgemäße Form und Struktur. Dabei bleiben die „Lianen“ kein rein dekoratives Element, sondern wirken durchaus raumprägend. Sie schaffen visuell ein flirrendes, fast tropisches Ambiente und verwandeln den Bau in eine Art Gewächshaus, dessen paradiesische Atmosphäre für die Kinder eine Oase der Fantasie und zugleich schützenden Hort bietet.

Roberta De Righi

Fotos: Peter Schinzler