Tim Bennett und Susanne Wagner:
Maiwurm, 2017


Haus für Kinder - Hermann-Weinhauser-Straße 28
Architekt: SRW Plan. Architekten, München
 

Einzelwerk
   

2-teilige Skulptur, Stahl pulverbeschichtet,
500 x 500 x 200 cm / 1500 x 1000 x 200 cm




Ist etwas, das man nicht mehr sehen kann, trotzdem noch da? Die Erkenntnis der Objektpermanenz ist eine wichtige Etappe der frühkindlichen Entwicklung. Die Einsicht, dass ein Gegenstand auch dann noch existiert, wenn er sich außerhalb der eigenen Wahrnehmung befindet, erlangt der Mensch in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres. Die beiden Münchner Künstler Tim Bennett und Susanne Wagner fordern nun spielerisch unser aller Erkenntnisfähigkeit mit einem Kunstwerk am Bau heraus: Ihr „Maiwurm“ für das Haus für Kinder an der Hermann-Weinhauser-Straße setzt dabei zugleich auf die Kraft der Imagination. Dafür haben sie das urbayerische Symbol des Maibaums gewählt und formal modifiziert.

Auf dem an drei Seiten geschlossenen Vorplatz des Gebäudes ragt ein weiß-blau gestreiftes Rohr aus pulverbeschichtetem Stahl fünf Meter senkrecht in die Höhe, schlängelt sich mit einer Biegung einige Meter waagrecht am Boden entlang und verschwindet vor dem Eingang wie ein Regenwurm scheinbar unter der Erde. Auf der Gartenseite des Hauses taucht das Rohr im Sandkasten wieder auf: Wiederum horizontal und mit einem Knick im rechten Winkel auf dem Boden verlaufend, richtet es sich am anderen Ende vertikal zu einem abstrahierten, aber erkennbaren Maibaum von 15 Metern Höhe auf. Dieser „Maiwurm“ bietet sich einerseits für Kinder und Eltern als Sitzgelegenheit und Balancierbalken an. Für die Bewohnerinnen und Bewohner des neuen Quartiers bildet er außerdem eine Art Landmarke und umfasst die Kindertagesstätte dabei wie eine Klammer.

Ob der Maiwurm sich wirklich unter dem Haus durch schlängelt? Da hilft nur eines: graben. So kann man das Freispiel der Kinder im Sand als tägliche Übung in empirischer Forschung interpretieren.

Roberta De Righi

Fotos: Henning Koepke