Juliane Stiegele:
Confetti, 2017


Neubau Kinderkrippe - Kazmaierstraße 25
Architekt: Ebe | Ausfelder | Partner Architekten + Stadtplane
 

Einzelwerk
   

Aluminium-Platten, einbrennlackiert
Durchmesser ca. 57 cm
Konfetti-Kostüme aus Wachstuch




Betrachtet man die bunt über die Fassade wirbelnden Konfetti ganz genau, dann fällt eines von ihnen besonders ins Auge: es ragt bereits ein Stück über die Dachkante hinaus, ganz so, als ob es in diesem Moment das Gebäude verlassen und in den Himmel steigen wollte – ungebremst und frei und vom Zufall auf neue Wege geschubst. In ihm wird der Gehalt und Charme von Juliane Stiegeles Arbeit „Confetti“ beispielhaft deutlich. Die Künstlerin tritt darin für heitere Ausgelassenheit ein, für die Lust an der Unordnung und vor allem für das Zulassen von Unvorhersehbarem – alles Voraussetzungen für das Entstehen von Kreativität, die der Künstlerin in ihrem auch gesellschaftspolitisch motivierten Schaffen ein zentrales Anliegen ist. Die bunt lackierten Konfetti aus Alublech sind in ihrer Symbolik treffsicher gewählt: ein Plädoyer für ungezügelten Ideenreichtum und spielerischen Wagemut statt öder Rechtwinkligkeit und Stillstand. Diese Aufforderung richtet die Künstlerin bewusst auch an die Kinderkrippe selbst, als unaufdringlichen Appell, die kleine Klientel des Hauses in ihrer Schaffensfreude zu bestärken. Für die Kinder wurden zusätzlich noch eine Art tragbare Konfetti-Kostüme aus Wachstuch geschneidert, als Identität stiftende und Freude bringende, haptisch erlebbare Ergänzung zur Installation im Treppenhaus und an der Fassade des Gebäudes. Dessen Kubus mit seiner klaren Linienführung wird kommentiert und bereichert durch die insgesamt 50 bunten Scheiben, die nicht alle gleich rund, sondern unterschiedlich angestanzt oder auch sichelförmig sind. Ganz so wie ihre sympathisch-anarchischen Vorbilder aus Papier.

Matthias Supé

Fotos: Henning Koepke