Silvia Wienefoet:
7,83 Hertz, 2017


Kindertagesstätte - Aubing-Ost-Straße 66
Architekt: Zwischenräume Architekten + Stadtplaner, München
 

Einzelwerk
   

Fassaden-Klang-Installation



Die Kindergarten- und Grundschulzeit steckt voller Umbrüche, weshalb gerade in diesem Lebensabschnitt Geborgenheit und Beständigkeit sehr wichtig sind. Diese Gefühle lassen sich den Kindern am besten dann vermitteln, wenn Erzieherinnen und Erzieher, Eltern und Lehrerschaft empathisch mit ihnen „mit-schwingen“, also – wie es in der Psychologie heißt – mit ihnen „in Resonanz“ gehen. 7,83 Hertz ist ein Statement für dieses Phänomen und macht es auf spannende und vielschichtige Weise fühl- und sichtbar.
Zum einen in Form von sechs Röhrengongs im Außenbereich, die für die konkreten, physikalischen Schwingungen sorgen. Sie basieren – gestimmt von dem Klangforscher Wolfgang Deinert - auf einem gemeinsamen Grundton von 7,83 Hertz – und damit genau auf der sogenannten „Schumann-Frequenz“, die in der Erdatmosphäre auftritt und vereinfacht ausgedrückt die Grund-Resonanz-Frequenz des menschlichen Lebensraums darstellt.
Ebenso erfahrbar sind diese abstrakten Vorgänge durch wellig vorwärts dringende Reaktionszeichnungen, die in die Eternitfassade gefräst wurden und die Kinder dazu herausfordern, sie mit ihren Fingern zu erkunden. Auch die Farbgebung der Fensterrahmen und Rollos ist kein Zufall: Gelb und Grün entsprechen im Lichtspektrum genau den Frequenzen der Röhrengongs. Soll heißen: hätte deren Schall eine Farbe, wäre er gelb und grün.
Silvia Wienefoet folgt in dieser Arbeit ihrem Ansatz, die Wahrnehmung von Architektur und öffentlichem Raum aus spezifisch zwischenmenschlicher Perspektive zu thematisieren. Sie interpretiert die Kindertagesstätte nicht als Gebäude, sondern als sozialen Resonanzkörper. Das Ergebnis: eine aufregend tiefgründige Installation, deren Facetten von der Physik bis in die Psychologie reichen.

Matthias Supé

Fotos: Christoph Mukherjee