Flaka Haliti:
I See A Face. Do You See A Face., 2020


Städtisches Berufsschulzentrum - Ruppertstraße 1
Architekt: Fritsch + Tschaidse; ver.de landschaftsarchitektur
 

Einzelwerk
   

Beschichteter Stahl; Höhe: 15,3 m,
Breite: 11,3 m, Tiefe: 9,2 m
Architekten/Produzenten: Studio Nitsche, München
Stahlbau: Hahner Technik, Petersberg
Statik: Klaus Stocker, Teisendorf



„Kannst Du das Gesicht in den Wolken erkennen?“ Wohl die meisten von uns haben diese Frage schon einmal gestellt, vor allem als Kinder, während wir gemeinsam die weißen, sich spektakulär auftürmenden Cumuluswolken am blauen Himmel beobachteten. Die sich ständig wandelnde Gestalt dieser Wolken lädt nämlich dazu ein, Formen zu erkennen, die unterschiedlichen Betrachtern nicht ohne weiteres identisch erscheinen. Der Künstlerin Flaka Haliti diente die fantasieanregende Cumuluswolke als Ausgangsmotiv für ihre rund 15 Meter hohe, ungewöhnlich filigrane Metallskulptur für den öffentlichen Vorplatz eines Schul- und Kulturzentrums. Einer gekritzelten Linie gleich scheint diese Skulptur einen Kopf in den Raum zu „zeichnen“, der im unteren Bereich senkrecht aus dem Boden ragt und weiter oben so gebogen ist, dass sein „Gesicht“ am besten von denjenigen zu sehen ist, die unter ihr stehen und nach oben blicken. Besonders eindrucksvoll hebt sich die Silhouette vor klarem oder leicht bewölktem Himmel ab. Denn dann bezieht sich das verändernde Erscheinungsbild des Himmels ins Kunstwerk ein, wird die Natur zu einem gleichrangigen Bestandteil der Beziehung zwischen dem Kunstobjekt und denen, die es betrachten. Der Titel der Skulptur kombiniert zugleich Feststellung und Frage an ein imaginäres Gegenüber, lässt also unterschiedliche Perspektiven auf das Werk bewusst zu. Es lässt sich somit als eine Einladung zur Bewegung auf dem Platz verstehen und verweist auf den gemeinsam genutzten öffentlichen Raum. Insbesondere vor dem „Kompetenzzentrum für Erziehungsberufe“, einem Ort der qualifizierten Ausbildung, betonen die kreativen und sozialen Momente den Wert individueller und subjektiver Sichtweisen, die den Austausch anregen und sich teilen lassen.
Bernhart Schwenk

Fotos: Studio Flaka Haliti