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Marylin
Willis
CityLines
Ein interaktiver Transfer
Der U-Bahnhof
Georg-Brauchle-Ring fungiert verkehrstechnisch als wichtiges BINDEGLIED
zur Erschließung des Stadtteils Moosach und ermöglicht darüber
hinaus eine Verknüpfung des Mittleren Rings mit der Stuttgarter Autobahn.
Die Entstehung neuer Büro- und Verwaltungszentren im Umfeld ist im
vollen Gang. Die geographische Nähe des Bahnhofs zum Olympiagelände
und der in Planung befindliche Weiterausbau der SCHNITTSTELLEN U1 und
U3 am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) legen darüber hinaus Gedanken
an regionale, überregionale wie internationale KOMMUNIKATIONSKULTUR
nahe.
KONZEPT
CityLines ist ein licht-grafisch INTERAKTIVES TREFFEN der sieben Partnerstädte
Münchens. Diese sind Edinburgh UK, seit 1954, Verona
I, 1960, Bordeaux F, 1964, Sapporo J, 1972, Cincinnati
USA, 1989, Kiew UA, 1989 und seit 1996 Harare ZW. Das Treffen
findet an den beiden Bahnsteigwänden des Georg-Brauchle-Rings statt:
Ausgehend vom linearen Verlauf der hier verkehrenden Linie U1 im Münchner
MVV-Netzplan wurde von mir aus den gültigen oder gar künftigen
Netzplänen der Partnerstädte jeweils eine Linie ausgewählt,
die eine analoge Streckenrichtung zur U1 aufweist. In der Reihenfolge
der abgeschlossenen Partnerschaftsverträge (s.o.) werden die ausgewählten
CityLines der München-Linie zugeordnet und auf die Wände so
verteilt, dass sie sich zu einer Licht-Zeichnung verweben.
Diese Vorgehensweise ergibt interessanterweise eine europäische und
eine internationale Wandabwicklung: In Richtung Mangfallstraße treffen
sich die Linien München, Edinburgh, Verona und Bordeaux, während
sich in Richtung OEZ und Olympia-Zentrum München, Sapporo, Cincinnati,
Kiew und Harare vernetzen.
Bei dieser einmaligen und München-spezifischen Vernetzung spielen
die U-Bahn-Fahrgäste am Georg-Brauchle-Ring sowie die ein- und ausfahrenden
Züge der U1 eine entscheidenden Rolle: sie werden zu Akteuren und
Choreographen internationaler Schnittstellen und der Bahnhof zu einem
Ort ungewöhnlicher Kommunikation.
DRAMATURGIE
Mittels Computerbearbeitung wurden die ausgewählten, beschriebenen
Linienverläufe der CityLines auf jeweils 120 Meter (Bahnsteiglänge)
gedehnt und sind so nicht mehr als Netzplan sondern als Licht-Zeichnung
lesbar.
Die Zeichnung besteht aus elektroluminiszenten 22 Millimeter breiten Lichtstreifen
(rot für München, gelb für die jeweiligen Partnerstädte),
die mit Bewegungsmeldern, bzw. Lichtschranken gekoppelt sind. Sobald Fahrgäste
einen der Bewegungsmelder passieren, aktivieren sie die entsprechende
Verkehrsader der dazugehörenden Partnerstadt in ganzer Länge.
Die Linie leuchtete sodann fünf Sekunden gelb auf, verlischt danach
und ist bereit für die nächste Passage.
Die Fahrgäste bestimmen also zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten
Rhythmus und Geschwindigkeit der Lichtzeichnung.
Die rote Linie der Münchner U1 wird ausschließlich durch die
einfahrenden Züge aktiviert: während der Zug ca. hundert Meter
vor der Einfahrt eine Lichtschranke passiert, erscheint in diesem Moment
für die wartenden Fahrgäste am Bahnsteig ein rotes Lauflicht
in Fahrtrichtung, welches die Einfahrt, gleich eines deja-vue, vorweg
zu nehmen scheint.
Jeweils
am Ende der Lichtlinien ist ihre Herkunft ablesbar: auf ganzflächig
sandgestrahlten Glasschildern mit klaren Schriftzug finden die Betrachter
zusätzlich zur partnerstädtischen Zuordnung jeder einzelnen
Linie auch deren Fahrtrichtung von Endstation zu Endstation.
Die Glastafeln
treten hinter den roten Bahnhofsbezeichnungsschildern zurück und
sollen so erst auf den zweiten Blick Beachtung finden.
Der nachtblau
anmutende Hintergrund verweist zum einen auf die Tatsache, dass dieser
Bahnhof ohne Tageslichteinfall ist, zum andern steht dieses Blau auch
als Metapher für Weite und Raum. Es
bereitet zudem einen Perspektivenwechsel vor und lässt besonders
bei aktivierter Lichtzeichnung Assoziationen an nächtlich
erleuchtete Straßenzüge aus großer Höhe und Entfernung
zu.
Marilyn
Willis
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