< zurück Wettbewerb 4: Technisches Rathaus  
 

 

Vito Acconci

Vito Acconci & Studio (Celia Imrey, Dario Nunez, Saija Singer, Luis Vera; mit Sergio Prego)

Vorschlag für das Bürogebäude des Baureferats München („Landschaft im Wind"), 1997

ORT: Der Turm des Gebäudes und der Hof innerhalb des Gebäudes. (Einerseits ragt das Gebäude aus sich selbst heraus; es schießt in Form eines Turmes aufwärts zum Himmel. Andererseits schließt sich das Gebäude in sich selbst ab, es wickelt sich um sich selbst und formt innen einen Hof.)

PROJEKT: Ein Teil des Ortes beeinflusst den anderen; der höchste Punkt beeinflusst den tiefsten Punkt; der Himmel beeinflusst den Boden; das Gebäude beeinflusst die Landschaft; der Turm verändert die Landschaft.
Hoch in der Luft, oberhalb des restlichen Gebäudes, streckt der Turm seinen Sensor aus, ein System von Fühlern, einen Satz von Tentakeln.

Gestützt auf den Turm – wie der Rotors eines Helikopters – befindet sich ein Windrad, eine Turbine. Untern darunter, innerhalb des Hofes, ist die Landschaft in drei konzentrische Kreise zerschnitten, von denen die Mitte und der äußere Ring auf Drehscheiben gesetzt sind, die sich auf Schienen unterhalb des Bodes drehen.

Oben auf dem Turm fängt die Turbine den Wind; die Turbine dreht sich im Wind. Die Windturbine erzeugt Elektrizität, die die Motoren unter den Drehscheiben im Hof antreibt. Wenn der Wind weht und sich die Turbine dreht, bewegen sich im Hof die Mitte und der äußere Rind der Landschaft. Die Landschaft bewegt sich, wenn der Wind weht; die Landschaft bewegt sich so lange der Wind weht (die Landschaft fungiert als eine Art Wetterfahne, als eine Art Barometer für den Wind: wenn sich die Landschaft dreht, wissen Sie, dass der Wind weht).

Die Landschaft bewegt sich langsam, kaum wahrnehmbar, zweieinhalb Zentimeter pro Sekunde. Der äußere Ring des Kreises bewegt sich langsam im Uhrzeigersinn. Eine Baumgruppe, mit den Bänken zwischen den Bäumen, wird vom Hain verschoben; das Gras trennt sich und der Fußweg wird unterbrochen; ein Baum rutscht fort von seinem Platz in der Baumreihe. Die Mitte des Kreises bewegt sich entgegen dem Uhrzeigersinn: der Fußweg wird gelockert und der Rasen löst sich; ein Baum in einer Reihe von Bäumen rotiert wie eine Spitze in Zeitlupe.

Von den Seiten des Hofes aus sehen Sie die Landschaft in der Mitte sich langsam verändern, direkt vor Ihren Augen: Sie wissen, der Baum ist „hier" – Sie schauen noch mal hin und jetzt ist er „da". Wo sie stehen, wissen Sie, wo Sie sind: der Boden ist stabil, Sie sind sich des Bodens sicher. Wenn Sie über den Rasen gehen, hin zur Mitte, fühlen Sie, wie sich die Erde unter Ihren Füßen bewegt – langsam, weich. Sie werden bewegt, während Sie sich bewegen, Sie gehen nicht auf einer geraden Linie. Sie gehen vom äußeren Ring zum mittleren Ring und der Boden, auf dem Sie stehen, steht wieder still, während der Boden vor und hinter Ihnen sich bewegt. Sie kommen zur Mitte und die Mitte ist kein still stehender Punkt; wie die Welt sich dreht, so werden Sie gedreht – wenn Sie still stehen bleiben, beobachten Sie den Hof um sich herum, auf allen Seiten.

Hin und wieder leuchtet über Ihnen Licht an der Spitze des Turmes auf, oben am Himmel. Die Turbine erzeugt Licht; wenn der Wind weht scheint das Licht; wenn die Turbine sich dreht, zerschneiden und modulieren die Rotorblätter das Licht – das Licht blitzt auf, wenn der Wind weht.

Vito Acconci & Studio

www.acconci.com