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Christian Möller

Work in Progress Galerie ("WiP-Galerie")
ist eine digitale Bildinstallation, deren Displaysystem sich im Eingangsfoyer des zukünftigen Münchner Baureferat befindet. Drei freistehende, schottenartig hintereinander gereihte Wandelemente mit den baulichen Abmessungen von ca. sieben Meter Länge und drei Meter Höhe bergen ca. zwanzig elektronische Displays. Dem Betrachter erscheinen die Displays in Form einer aneinander gereihten Anzahl von Bildern an der Wald. In den durch Rahmen abgesetzten Bildfeldern sieht der Betrachter eingespiegelt, digital übertragene Kamerabilder der wichtigen, aktuellen Baustellen des Münchner Baureferats. Jedes von der Leitung des Baureferats ausgewählte Bauprojekt erhält einen Ort in der „WiP-Galerie" und als Teil seiner Baustelleneinrichtung eine RGB Videokamera installiert, die dann für die Dauer der Bauaktivitäten aus einer möglichst idealen Perspektive die baulichen Veränderungen mitverfolgt. Alle so im Stadtgebiet aufgestellten Videokamerasysteme sind per ISDN oder per datenfähigem Mobiltelefon für den Installationsserver des Baureferats per Wählleitung erreichbar. Berührt ein Betrachter im Foyer des Baureferats die Frontscheibe (berührungs-sensitives Glas) eines Projektbildes, wird das angezeigte Baustellenbild aktualisiert. Die eingehenden Bilder der sich erhebenden Gebäude werden gesammelt, in Form von Zeitraffer-Videos vorgehalten und ständig ergänzt. Im unteren Bereich der Frontscheibe befinden sich Markierungen für unterschiedliche Funktionen. Das Berühren der einen Markierung fährt die vorhandenen Baustellenbilder chronologisch zurück, quasi bis an den Tag des ersten Spatenstichs. Danach springt das System wieder auf das aktuellste Bild des Projektes. Wird eine andere Markierung berührt, erscheinen Entwurfszeichnungen und Modelle des Projektes.

Das erforderliche digitale Kommunikationssystem kann, solange sich die „WiP-Galerie" auf das Stadtgebiet von München beschränkt, sehr einfach realisiert werden. Darüber hinaus wird eine Schnittstelle zum Internet vorgesehen. Eine eigens für die „WiP-Galerie" zu entwickelnde Homepage erlaubt dann Besuchern auch von zu Hause, sowohl aus München als auch aus dem In- und Ausland, die gerade entstehenden Architekturprojekte der Stadt besuchen zu können.

Ist die Baumassnahme abgeschlossen, sprich das fertige Gebäude mit dem letzten Bild übertragen, wir die Bildsequenz digital archiviert. Die Videokamera wir dann einen neuen Standort verlegt und in der „WiP-Galerie" erscheint ein neues Projekt. Das archivierte Bildmaterial ist dann nur noch über das Internet zugänglich.

Die virtuell vergrößerten Lichthöfe
sind sehr einfache Spiegel-Installationen, die das Gebäude in der Vertikalen „scheinbar" erweitern. Der Boden der Lichthöfe auf der Höhe bis 4,40 Meter erhält einen Oberbelag aus begehbarem Glas. Die Unterseiten der Glasflächen werden verspiegelt. Auf diese Weise setzt sich dem Besucher der Lichthof, spricht das Gebäude in seiner gesamten Höhe noch einmal nach unten hin fort. Die sechs gläsernen Lichthöfe stellen die vielleicht interessanteste räumliche Situation im Gebäude dar. Die Installation versucht, die architektonische Qualität dieser Lufträume zu unterstreichen ohne sie objekthaft zu ergänzen. Die Lichthöfe werden selbst zu Objekten, glasumhüllte Volumen aus Luft und Licht, die sich scheinbar dreißig Meter tief in die Erde bohren.

Christian Möller