< zurück Wettbewerb 5: U-Bahnhof Olympia-Einkaufszentrum  
 

 

Adib Fricke

The Word Company®

Wettbewerbsbeitrag für die künstlerische Gestaltung des U-Bahnhof-Neubaus Olympia-Einkaufzentrum in München

Vorgeschlagen wird eine zweiteilige Arbeit aus Protonymen und aus Wörtern bestehenden Einheiten

Das Ziel der Wiederholung liegt in der Identität, Das Ziel der sprachlichen Bezeichnung liegt in der Differenz.
- Ernst Cassirer, Philosophie der symbolischen Formen, "Die Sprache", Bd. I, Berlin 1923

Die Arbeit von The Word Company besteht aus bedeutungslosen Wortschöpfungen (Protonymen) und "aus Wörtern bestehenden Einheiten", einer beschreibenden Formulierung für sloganartige Satzstücke oder andere Formen rhetorisch-prägnanter Sätze. Diese werden in gleichbleibender typografischer Form immer wieder neu in unterschiedliche Kontexte gebracht. Visuell stark hervorgehoben stehen sie meistens in farbigen Flächen und wirken innerhalb kommunikativer Infrastrukturen - zum Teil irritierend.

Die Wahl der Flächen (z.B. Wandscheiben, Seiten einer Zeitschrift, Poster oder Flyer) wird aus dem Zusammenhang mit der Wortarbeit entwickelt. Als Arbeit im Raum nutzen die Farbflächen mit den Wörtern die Wände plakativ als Träger. Die nehmen architektonische Vorgaben beispielsweise als Bedingung ihrer eigenen Größe auf, ohne dabei die Architektur zu interpretieren oder zu verändern. Die entstehende Gesamtsituation mit ihren Möglichkeiten der Annäherung ist ein weiterer Teilaspekt neben anderen.

Das Wesen des Handlungsortes
The Word Company geht bei den Überlegungen zu einem künstlerischen Eingreifen auch von der Begrifflichkeit des zu gestaltenden Ortes aus und versteht die eigenen Wortarbeiten als Hinzufügung zur bestehenden Begriffswelt.

Als funktionales Bauwerk verbindet der U-Bahnhof zwischen anderen Stationen: Bahnsteig, Fahrkartenautomat, Rolltreppe und Gleisanlage ermöglichen die Nutzung. Fahrtzielgerichtete Bedürfnisse bestimmen das Interesse, zu einer Station zu gelangen.
Pendler im Berufsverkehr fahren und sehen den Ort anders als Touristen oder Gelegenheitsfahrer - egal ob sie zum Einkauf ins östlich gelegene und namensgebende "Olympia-Einkaufzentrum" kommen oder von dort aus abends ins Münchner Stadtzentrum fahren.

Bestimmend für einen Bahnhof sind Verben der (Fort)Bewegung: Ankommen, ab-, hin- und weiterfahren, ein-, aus- und umsteigen, hin-, weg- und durchgehen. Einzig "warten" erzeugt für einen Moment einen Zustand des Verweilens, dies aber mittelbar in Erwartung der baldigen Fortsetzung der Bewegung.

"Treffen" charakterisiert die soziale Funktion des Bahnhofes - jeder öffentliche Platz ist potenzieller Treffpunkt. "Einkaufen" am Kiosk ist darüber hinaus pragmatische Zusatzmöglichkeit bei der Nutzung der Nahverkehrs-Infrastruktur.

Bahnhöfe sind Schnittstellen zwischen Verkehrsmittel und Ziel, die U-Bahn ergänzt hier noch oben und unten. Wesentlich sind das Hinein- und Hinausgehen. Diese beiden Perspektiven greift die nachfolgend vorgestellte zweiteilige Arbeit auf.

Bezeichnung und Beschriftung
Protonyme auf dem Weg zur U-Bahn (erster Teil der Arbeit)
Drei oder vier bedeutungslose Wortschöpfungen von The Word Company werden über den Hauptübergängen, die zu den Bahnsteigen führen, zugeordnet und in große farbige Flächen gestellt.

Die Blicke der Fahrgäste richten sich auf Wörter, die plakativ im (Roll)Treppenbereich stehend sich selbst bezeichnen. Beim Zugang zu den Bahnsteigen sind sie sichtbar. Im Lauf der Zeit werden die Protonyme zu Synonymen für die Wege und Strecken, auf die sie zu verweisen scheinen.

Andere auch neue Wortschöpfungen sind alternativ denkbar. Eine Entscheidung über die endgültige Wortwahl ist später zu treffen. Die Arbeiten werden in der von The Word Company festgelegteen Typographie gestaltet. Sie tragen das Signaturzeichen The Word Company. Genutzt werden (Teile der) Flächen, die über die zu den U-Bahnen führenden Treppen zu sehen sind.

Writings on the Wall
Farbige Wandflächen mit aus Wörtern bestehenden Einheiten (zweiter Teil der Arbeit)
In Verbindung mit dem Satzanfang "Was Du…" werden Verben der dialogischen Handlung, der Wahrnehmung und des Seins in farbige Flächen gestellt - eine Hinzufügung zu der auf Verben der Bewegung begrenzten Begriffswelt des Bahnhofs.

Was du gibts
Was du sagst
Was du bist
Was du tust
Was du nimmst
Was du fühlst
Was du denkst
Was du kannst

Für diese Flächen werden strategische Positionen im U-Bahnhof ausgewählt. Sie sind in unmittelbarer Nähe zu den Ein-, bzw. Ausgängen in den drei Schalterhallen plaziert. Sie sind Bezugspunkt im Gesamtsystem Bahnhof und gleichzeitig Schnittstelle zum Draußen, in dem sie die Wege beschriften. Zusammen bilden die Arbeiten ein Orientierungssystem, ohne als solches gekennzeichnet zu sein. Sie erzeugen ein Netzwerk und sind förderlich für den sozialen Aspekt des Bahnhofs als Treffpunkt, aber nicht Bedingung.

In Beziehung zu den ungebundenen Protonymen deuten die aus Wörtern bestehenden Einheiten einen Hinweis an: Nenne, was du sagst. Ist es das Wort, was du gibst ? In dieser Form sind die Halbsätze zum Teil das Versprechen einer Antwort. Die Wiederholung der Struktur bei verändertem Verb lässt eine Antwort jedoch offen. Was Du nimmst, ist das Wort. Im Gegensatz zur Werbung, deren Prinzip ein uneingelöstes Versprechen ist, bieten die Wandarbeiten Raum zur (Selbst)Reflektion.

Der Entwurf geht von sechs bis acht Flächen aus.
Eine definitive Bestimmung der Position erfolgt bei Realisierung in Abstimmung mit Architekten und Baureferat.

Adib Fricke

www.thewordcompany.de