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Vorschlag für den Künstlerwettbewerb KFZ-Stelle München
La mechanique - Die Mechanikerin 2000


Eine Mechanikerin als Wahrzeichen der KFZ-Stelle mit menschlichen Zügen
- präsentiert als Videoinstallation in einer Garage im Eingang
- verknüpft mit den Infoscreens
- dargestellt von einer Schauspielerin aus MünchenKomplementäre Ausgangsüberlegung

Komplementäre Ausgangsüberlegung
Die KFZ Stelle ist ein großstädtisches Verwaltungsgebäude, geprägt durch Rationalität, Nüchternheit und zeitliche Optimierung. Gleichzeitig ist der konkrete Gegenstand, das Kraftfahrzeug selbst abwesend.
Unsere Überlegung ist es, dem Charakter eines solchen Verwaltungsapparates ein komplementäres Element hinzuzufügen. Das Auto, mit seinen vielfältigen, zum Teil emotionalen Aspekten, soll wieder präsent werden. Ein spielerisch-erzählerisches Element mit zeitlicher Autonomie gesellt sich zur Nüchternheit. Die Vermittlung zwischen beiden übernimmt die Mechanikerin.


Schnittstelle und corporate identity
La mechanique - Die Mechanikerin 2000 ist Mehrfachschnittstelle: Vermittlerin zwischen Mensch und Kraftfahrzeug, zwischen Büroarchitektur und Garage, zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Gleichzeitig setzt sich die Arbeit bewußt mit den Mechanismen von corporate identity auseinander, dem Versuch also, einer Firma oder Institution ein Profil nach außen und nach innen zu erlangen.
Die Wurzeln solcher identifikationstiftenden Figuren liegen bereits in alten städtischen Wahrzeichen, wie z.B. dem David in Florenz oder dem Manneken-Piss in Brüssel. Heute denkt man eher an Michelin-Männchen oder an Robert von T-Online. Sie alle verkörpern einen Moment der Firma, Institution oder Stadt und stellen eine Brücke zu ihrer Geschichte, ihrem Thema oder ihrer Aufgabe her. Nicht zuletzt lagen solche Gestalten jedoch zu einer Identifikation des Bürgers mit ihnen ein. In der KFZ Stelle tritt nun die Identifikationsfigur als KFZ-Mechanikerin auf.


Ort und Suborte - Hardware vs Software
Ort der Handlung ist zunächt die Garage der KFZ-Mechanikerin.
Als optimaler Standort für diese Zentrale von La mechanique würde sich der Eingangsbereich der KFZ-Stelle anbieten, unmittelbar nach der Glastür auf der linken Seite. (Die Infotheke sollte bei einer solchen Plazierung nach rechts verschoben werden.) Bereits von außen sieht man die Garage, meist mit geschlossenem Rolltor, und mag über deren Anwesenheit im Innenraum verwundert sein. Beim Eintreten steht der Besucher dann unmittelbar vor dem Garagentor, dass sich zu jeder vollen und halben Stunde öffnet und dabei den Blick in das Innere frei gibt. Das Spiel mit dem Sichtbaren und dem Versteckten ist uns besonders wichtig - vor allem in der unterschiedlichen Präsenz von La mechanique am "Originalort", auf dem Infobildschirm oder im Internet.
Über die Infobildschirme der KFZ-Stelle werden sporadisch Bilder aus der "Muttergarage" ausgestrahlt - auch wenn diese geschlossen sein sollte. Die akustische Ebene (Stimmen) wird auch hier durch Untertitel erstetzt. Ebenso läßt sich möglicherweise ein Link von der hauseigenen Internseite vorstellen, der einen ständigen Einblick in die Garage gewährt

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Eine Figur für Kraftfahrzeugfahrer
La mechanique ist sodann die Mechanikerin innerhalb ihrer Garage, die den Besuchern der KFZ Stelle gerne ihr Wissen über Kraftfahrzeuge und über das bizarre Verhältnis zwischen Mensch und Auto mitteilt. Ab und zu steht ihr ein Mann zur Seite, der sich nicht ganz so gut auskennt, sich aber als Fachmann für Details zu verstehen gibt. Die Szenen selber sind filmisch aufgezeichnet und werden über einen Videobeamer auf die hintere Garagenwand projeziert. Verkürzter Garagenraum und virtuelles Bild verschmelzen zu einer real wirkenden Szenerie.
La mechanique - Die Mechanikerin ist als reines, mitteilungsfreudiges Medienwesen angelegt. Es schöpft jedoch seine prägnanten Aussagen aus einer Mischung von technischen und menschlichen Wissen und vermeidet dabei die Überfülle an Informationen und Inhalten, die für die heutige Medienwelt bezeichnend sind.


Charakter, Auftreten und Persönlichkeit der Mechanikerin

La mechanique orientiert sich an den amerikanischen TV-Werbeclips. Die Mechanikerin und ihr sporadisch eintretender Partner sprechen in einer Fantasiesprache, die ständig live synchronisiert wird. Der Betrachter wird unmittelbar angesprochen und der Blick der Protagonistin scheint ihn zu suchen.
Die Rolle einer Kraftfahrzeugmechanikerin scheint hybrid, als Mischung eines männlich dominierten Berufstandes mit weiblicher Ausdruckskraft, die sonst in einer Werkstatt meist nur in Form von Pin-ups zu finden wäre. Die Mechanikerin formuliert klar und hat eine enorme Kenntnis über die technischen und menschlichen Aspekte des Autos. Zum Teil schweift sie aber auch etwas ab und erinnert sich z.B. an die Veränderung menschlichen Körperbewusstseins im Zeitalter der Selbstdestruktion und mechanischen Beschleunigung.
Die Wirkung der Mechanikerin basiert jedoch nicht zuletzt auf der Popularität der ausgewählten Schauspielerin. Wichtig ist uns dabei, eine Darstellerin zu finden, die von den Besuchern wiedererkannt wird, einen hohen lokalen Bekanntheitsgrad hat. Wir haben an erster Stelle an Iris Berben gedacht, vorstellbar ist aber auch eine Veronika Ferres oder Hannelore Elsner. Die Besucher sollen sich freuen, von diesem Star Informationen über das Innenleben der Kraftfahrzeuge vermittelt zu bekommen. Durch die ständige, in den Raum integrierte Präsenz der Mechanikerin, bzw. Schauspielerin beginnt die Grenze zwischen filmischer Realität und KFZ-Stelle zu verschwimmen.

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